• juliafurdea

Wieso "urlaubsreif"nicht mehr in meinem Wortschatz vorkommt

Jetzt im Sommer gehen die meisten auf Urlaub. Und es fängt schon auf Instagram an: „Ich bin so urlaubsreif… meine To-Do Liste im Urlaub mal weglegen wird so toll sein… ich gehe über vor Arbeit, da kommt der Urlaub wie gelegen…“ Und dont get me wrong: ich war auch schon dort und hab gesagt „Ich BRAUCHE diesen Urlaub“. Doch das habe ich geändert!


Wir leben in einer Gesellschaft, in der es zur Normalität geworden ist, einen Wettkampf darüber zu führen, wer denn die längere To-Do-Liste hat. Wer hat mehr zu tun? Wer hört später im Büro auf? Wer arbeitet auch noch am Wochenende? Viele von uns wissen schon gar nicht mehr, wie man Pausen einlegt und die Ruhe genießt. Dauernd beschäftigt zu sein – das gibt uns einen hohen Stellenwert. Hustlen, Hard Working und in Arbeit versinken ist was uns ausmacht.

Und ich will überhaupt nicht sagen, dass man jetzt nur auf der faulen Haut rumliegen soll und nichts mehr macht. Ich arbeite auch fleißig, konzentriert und vor allem gerne! Manchmal übernehme ich mich auch mit meinen Terminen und gelange so in Stress. Ich bin mir dessen vollkommen bewusst und sehe es nicht als normal an, wenn ich an einem Tag zu 14 Terminen flitzen muss und fast aufs Atmen vergesse.

Nichts tun ist nicht nur OK, sondern sogar essentiell!

Man kann eine Pflanze wässern, umtopfen und pflegen. Und das sind absolut wichtige Dinge damit die Pflanze erblüht. Doch was braucht sie noch? Ruhe! Und genau so ist es ja mit uns Menschen auch. Wie soll eine Idee, ein Projekt oder auch nur ein Gedanke aufblühen und sich entfalten können, wenn wir keine Ruhe geben? Wir müssen Pausen einlegen, um aufzugehen. Wir brauchen eine Balance. Arbeit und Ruhe. Tun und Sein. Ying und Yang.

Mir fällt es auch schwer

Eine Woche lang lag ich am Strand, hatte drei Bücher im Gepäck und hab mir geschworen, die ganze Zeit über KEINE Instastories zu machen. Damit ich nicht dauernd das Handy in der Hand halte und Momente festhalte, die ich mit dem freien Auge nicht für einige Sekunden betrachtet habe. Und da hat sich mein Gedankenkarussel schon gedreht: „Soll ich mehr tun? Wieso fühl ich mich so unrund? Ich will mehr tun, schneller und mehr lesen. Wenn ich Heim komme, gebe ich Gas. Nein, warte, ich wollte es doch langsam angehen. Ist es eh ok, dass ich nicht in meine Mails schaue und Leute darauf hinweise, dass ich mich jetzt eine Woche nicht melde?“

Ich habe immer wieder Ups and Downs. Einmal bin ich in der vollkommenen Balance zwischen Arbeit und Ruhe. Ich lege mir die Termine genau so, dass ich das Beste aus beiden Welten habe. Und manchmal habe ich ein totales Down. Zu viele Termine und ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht oder ich bin die Weltmeisterin im Nichtstun und lümmel für einige Tage.

Achtsamkeit

Deshalb kehre ich immer wieder zu der Frage zurück „Erlaube ich mir momentan Ruhe zu finden, auch in einer actionreichen Zeit?“. Wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann versuche ich etwas zu ändern. Social Media für einen Tag zu streichen, oder einen Tag in der Woche nur für mich zu blocken. Ich lerne gerade auch, meine Wortwahl achtsamer zu gestalten. Anstatt zu sagen „ich muss so viel machen/arbeiten“ sag ich mir „Ich darf arbeiten/so viele tolle Dinge erleben“. Ich sag auch nicht mehr „Ich habe keine Zeit dafür“ sondern „Das ist im Moment nicht meine Priorität“.

Warum also „Urlaubsreif“ keinen Platz in meinem Wortschatz hat

Genau deshalb will ich das Wort „urlaubsreif“ nicht mehr in meinen Mund nehmen. Denn für mich ist dieses Wort negativ konnotiert. Und auch die Definition des Wortes laut Duden bestätigt das, was ich mit dem Wort assoziiere: „durch viel Arbeit so erschöpft sein, dass ein Urlaub geboten ist“. Urlaube sind so wichtig, um für 2-3 Wochen weg zu fahren, eine örtliche und mentale Distanz von der Arbeit zu schaffen und mal komplett abschalten zu können. Doch ich will nicht 49 Wochen im Jahr so überladen sein, dass ich in den 2-3 Urlaubswochen komplett hinüber bin. Und jetzt beende ich diesen Blogpost mit einem sehr kitschigen, aber absolut wahren Satz: „In der Ruhe liegt die Kraft!“

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